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Über die Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Bauwirtschaft diskutiertem beim Tiroler Bautag 2017 Moderator Ronald Barazon mit Christoph M. Achammer (Vorstandsvorsitzender & CEO ATP), Baumeister Anton Gasteiger (BIM-Visionär), Landesinnungsmeister Anton Rieder, Astrid Achatz (Leiterin Geschäftsstelle Fraunhofer-Allianz Bau) und Daniel Fügenschuh (Sektionsvorsitzender Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Tirol und Vorarlberg, von links).

10 Jahre Tiroler Bautag: Digitalisierung als Chance für die Bauwirtschaft

03. März 2017 | 13:57 Autor: WK Tirol Österreich, Tirol

Innsbruck (A) Bereits zum zehnten Mal ging der Tiroler Bautag in Innsbruck über die Bühne. Im Festsaal der Wirtschaftskammer diskutierten Experten der Branche über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung am Bau.

Die Digitalisierung schreitet in allen Bereichen unseres täglichen Lebens voran und hält auch immer stärker Einzug in der Baubranche. Diese Thematik bildete das Fundament des Tiroler Bautages 2017, der vom Wirtschaftsexperten Ronald Barazon moderiert wurde. „Eine erfolgreiche Bauwirtschaft ist äußerst wichtig für einen erfolgreichen Wirtschaftsort!“ Mit diesen Worten begrüßte Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf die Gäste. Wie digital ist die Tiroler Bauwirtschaft? Welche Chancen und Herausforderungen erwartet die Branche? Die Digitalisierung führt innerhalb der Bau-Szene zu vielen Fragen. Die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol blickt der Entwicklung aber sehr positiv entgegen. „Es ergeben sich daraus viele Vorteile, um die Effizienz eines Unternehmens zu steigern. Wenn man es richtig angeht, kann man schneller, vernetzter, transparenter und genauer arbeiten“, so Barbara Thaler.

Seit bereits zehn Jahren setzt der Tiroler Bautag Impulse und greift wichtige Themen der heimischen Branche auf. „Ich bin besonders stolz darauf, dass wir mit dieser Veranstaltung in den vergangenen Jahren entscheidende Anstöße geben konnten“, so DI Anton Rieder. Der Landesinnungsmeister blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück und ist auch für 2017 optimistisch. Rieder betont aber ebenso die Notwendigkeit, die Tiroler Baubranche aus dem digitalen Dornröschenschlaf zu wecken. Laut ihm ist die Digitalisierung nicht Zukunft sondern bereits Gegenwart. Alle Bauschaffenden sollten sich rechtzeitig diesem Thema widmen, um deren Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft sicherzustellen. Die Technologie „Building Information Modeling“ (BIM) stand beim Tiroler Bautag 2017 im Mittelpunkt der Diskussionen. Mit BIM werden in der Planung und Bauausführung sämtliche Prozessschritte digital erfasst, kombiniert und vernetzt, sodass alle Beteiligten jederzeit Zugriff auf aktuelle Daten haben.

Digitale Trends am Bau
Astrid Achatz, Leiterin der Geschäftsstelle Fraunhofer-Allianz Bau, ist in der digitalen Welt bereits zu Hause. In ihrem Impulsreferat betonte sie, dass die Digitalisierung einen massiven Einfluss auf alle Arbeits- und Lebensbereiche ausübt. Auch die Akteure der Baubranche sind von den Veränderungen betroffen. „Um den Anschluss nicht zu verlieren, wird es erforderlich sein, Berührungsängste abzubauen und sich aktiv über die Möglichkeiten und Risiken zu informieren“, so Achatz. Die entscheidenden Vorteile der Digitalisierung am Bau sieht sie in der Reduzierung der Fehlerkosten sowie in der Steigerung der Arbeitsproduktivität. Die Forscherin präsentierte in ihrem Vortrag mehrere digitale Trends der Bauwirtschaft, die bereits jetzt Anwendung in der Bau-Szene finden: BIM, Smart Home, 3D-Druck, Bau-Apps und virtuelle Projekträume. Bei der Verbreitung dieser Trends gibt es aber noch einen hohen Verbesserungsbedarf. BIM bringt viele Vorteile mit sich: Der Austausch zwischen den verschiedenen Gewerken wird effizienter, Missverständnisse werden reduziert, die Qualität gesteigert und Kosten eingespart. Mithilfe von Virtual Reality- und Augmented Reality-Brillen werden virtuelle Projekträume betreten. Bereits im Vorfeld kann überprüft werden, ob das, was geplant wird, auch realisierbar ist. Im Smart Home-Trend sieht Achatz einen wichtigen Zukunftsbereich für das Bauwesen. Smart Home vernetzt Heizung, Beleuchtung, elektrische Geräte und vieles mehr miteinander und kreiert damit ein intelligentes Zuhause, welches via Smartphone, Tablet oder PC gesteuert werden kann. Wer diesen Markt bestimmen wird, ist aber noch unklar. Sowohl Gebäudetechnikhersteller, als auch Unterhaltungselektronikhersteller und Internetspezialisten kommen dafür in Frage. Auch in Sachen 3D-Druck ist bereits vieles machbar. Gebäude werden ausgedruckt und dadurch kann die Bauzeit um 70 Prozent reduziert werden. Laut Achatz steckt der 3D-Druck aber noch in den Kinderschuhen. Immer mehr Anwendung finden auch speziell für den Bau entwickelte Apps - beispielsweise für eine direkte und flexible Baustoffbestellung.

Mehr Vertrauen und Transparenz am Bau
Im zweiten Impulsvortrag referierte Christoph M. Achammer, Vorstandsvorsitzender und CEO von ATP, sowie Universitätsprofessor an der TU Wien, der sich intensiv mit dem Lebenszyklus eines Gebäudes beschäftigt und seit Jahren bereits zu den BIM-Anwendern zählt. „Die digitale Revolution macht das Bauen erstmals industriell und reduziert die aktuelle Verschwendung im Lebenszyklus eines Gebäudes“, betont Achammer. Laut dem Architekten haben Bauherren und Planer während der Bedarfserhebung und mit den ersten Planungsentscheidungen den größten Hebel zur Verfügung, um die Gesamtkosten eines Gebäudes zu reduzieren. Die Zeit, die man in der frühen Phase in eine integral geplante, nachhaltige Gebäudekonzeption investiert, wird nach einer relativ kurzen Betriebszeit wieder „verdient”. Die integrale Planung ist aufgrund der interdisziplinären Qualitätssicherung hervorragend dafür geeignet, um Entscheidungen in der frühen Projektphase umfassend zu optimieren. Architekten, Haustechniker und Tragwerksplaner entwerfen bei der integralen Planung gemeinsam ein Haus. Diese Vorgehensweise findet in der aktuellen Praxis nicht statt. „Wir brauchen eine neue Art des Zusammenarbeitens. Bauingenieure und Architekten müssen erst wieder eine gemeinsame Sprache lernen, sich gegenseitig vertrauen und damit die Transparenz steigern“, so Achammer. In der Projektorganisation muss es laut Achammer für die Bereiche Planung, Errichtung, Finanzierung und Betrieb einen Verantwortlichen für die Prozessführung geben.

Effizienter, transparenter und kostengünstiger bauen!
Im Anschluss an die beiden Impulsreferate diskutierten Experten aus der Bau-Szene bei einem Podiumsgespräch über die Digitalisierung am Bau. Baumeister Anton Gasteiger gilt in der Szene als BIM-Visionär. „Ich kann nur jedem raten, besser heute als morgen mit dieser integralen Technologie zu starten“, so Gasteiger. Laut dem Baumeister ist die Anwendung von BIM keine Frage der Unternehmensgröße, sondern eine Frage des Wollens. Als Architekt wurde Daniel Fügenschuh schon sehr früh mit den neuen Entwicklungen der Bauszene konfrontiert. „Wir stellen fest, dass sich der Datenaustausch zwischen allen Beteiligten nach wie vor sehr schwierig gestaltet und hoffen, dass sich dieser Austausch dank BIM in den nächsten Jahren verbessert. Wir sind als Personen trotzdem nicht virtuell, sondern real. Auch in Zukunft brauchen wir persönliche Gespräche“, so Fügenschuh. Ein Vorreiter im Bereich integraler Planungsmethoden ist auch Landesinnungsmeister DI Anton Rieder. „BIM hat sich international bereits in vielen Ländern als Standard durchgesetzt. Dadurch können Gebäude effizienter, transparenter und kostengünstiger geplant und gebaut werden“, so Rieder. Neben Chancen sieht der Landesinnungsmeister aber auch Herausforderungen in Sachen Digitalisierung am Bau. „ Wir dürfen keine Standards oder Projektorganisationen schaffen, die zu kompliziert sind. Es muss uns gelingen, dass die Systeme so einfach werden, dass wir sie auch ohne Manager verwenden können. Wir brauchen praktikable, mittelstandstaugliche Lösungen“, betont Rieder.

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