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Wirtschaftsfaktor Raiffeisen in Tirol

17. Juni 2016 | 07:37 Autor: Raiffeisenbank Österreich, Tirol

Innsbruck (A) Auf die Tatsache, dass die Tiroler Raiffeisenbanken eine bedeutende Rolle für den Lebens- und Wirtschaftsraum Tirol übernehmen, wird oft hingewiesen. Am heutigen Verbandstag des Raiffeisenverbandes Tirol wurde einmal mehr deutlich, wie sehr diese Aussage zutrifft aber auch was Raiffeisen darüber hinaus Positives in Tirol bewirkt.

Neben den 73 Genossenschaftsbanken leisten 86 weitere Genossenschaften im Nichtbankbereich einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung und nachhaltigen Entwicklung in der Region. Davon konnten sich die anwesenden Mitglieder aus erster Hand überzeugen. Dr. Johannes Ortner, Sprecher der Raiffeisen-Bankengruppe Tirol, und Mag. (FH) Peter Sapl, neuer Verbandsdirektor des Raiffeisenverbandes Tirol, zogen Bilanz und stellten ihre gemeinsamen Pläne für die Zukunft des Tiroler Genossenschaftssektors vor.

243 Vertreter der Mitgliedsorganisationen folgten heute der Einladung des Raiffeisenverbandes Tirol, wo diese auch den neuen Obmann, Wolfgang Moosbrugger, MBA, wählten. Gemeinsam blickte man auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück. Bei den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen und stetig wachsenden Herausforderungen ist dies keine Selbstverständlichkeit. „Wir können stolz darauf sein, was Raiffeisen für die regionale Wertschöpfung leistet. Gerade in peripheren und häufig strukturschwachen Gebieten stärkt Raiffeisen das wirtschaftliche Gefüge durch Arbeitsplätze vor Ort.“ so Dr. Johannes Ortner, Vertreter der größten Sparte, nämlich Banken, im Raiffeisenverband Tirol. Besonders wichtig ist ihm aber auch die Wertschätzung der anderen Sparten und der dort erbrachten Leistungen. 86 bankfremde Genossenschaften sind es aktuell, die unter dem Giebelkreuz von Raiffeisen arbeiten und ebenfalls die Prinzipien des Gründervaters leben. Generell gliedert sich der Raiffeisenverband Tirol in Molkereien/Sennereien/Milchgenossenschaften, Lagerhäuser, Elektro-/Bioenergiegenossenschaften, sonstige Genossenschaften und eben Raiffeisenbanken. Neben den ordentlichen Mitgliedern werden auch raiffeisennahe Vereine und Institutionen betreut.

125.000 Mitglieder und 1.400 ehrenamtliche Funktionäre

„Keine andere Organisation ist so stark mit Tirol verwurzelt wie Raiffeisen“, betont Dr. Ortner und ergänzt: „Denn welches Unternehmen kann schon von sich behaupten, dass jede sechste Tirolerin, jeder sechste Tiroler direkt beteiligt und damit Eigentümer ist. In Summe sprechen wir hier von 125.000 Mitinhabern.“ Die Raiffeisen-Genossenschaften befinden sich damit in Tiroler Eigentum und haben per Gründungsauftrag nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Förderung der Mitglieder für sich als zentrale Aufgabe definiert. Verantwortung übernehmen in Tirols Genossenschaften mehr als 1.400 ehrenamtliche Funktionäre. Auch das ist ein Spezifikum von Raiffeisen. „Wer etwas zu sagen hat und sich einbringen möchte, der hat bei Raiffeisen die Möglichkeit dazu“, erklärt Ortner. Natürlich gab es auch Zeiten, wo das Modell Raiffeisen als antiquiert und überholt eingestuft wurde. Spätestens seit der Krise 2008 hat sich diese Ansicht wieder relativiert. „Wir erleben eine Renaissance der genossenschaftlichen Werte“, meint der Sprecher der Bankengruppe im Hinblick auf den gesellschaftlichen Wertewandel. „Raiffeisen war schon auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, da hat es das Wort dafür noch gar nicht gegeben. Nur trifft es jetzt wieder vermehrt den Zeitgeist“, so Ortner weiter. Genossenschaften beeinflussen aber nicht nur die öffentliche Wertediskussion. Welchen ökonomischen Fußabdruck Raiffeisen in Tirol hinterlässt, verdeutlichen die anlässlich des Verbandstages präsentierten Zahlen.

Wertschöpfung in Tirol für Tirol
„Der Tiroler Raiffeisensektor hat ein jährliches Steueraufkommen von rund EUR 70 Mio.“, verweist Mag. (FH) Peter Sapl auf die hohe regionalökonomische Relevanz von Raiffeisen in Tirol. Dass diese Steuern auch dort bezahlt werden, wo sie anfallen, nämlich in Tirol, ist für Sapl eine Selbstverständlichkeit. Bei allen wirtschaftlichen Überlegungen gilt zudem der Grundsatz: Aus der Region - für die Region. So wird beispielsweise besonderes Augenmerk darauf gelegt, alle Investitionsaufträge an Betriebe der heimischen Wirtschaft zu vergeben. 2015 waren das in Summe EUR 25 Mio. Mit 2.900 Arbeitsplätzen zählt Raiffeisen in Tirol auch zu den größten privaten Arbeitgebern. Eine Zahl, die den neuen Verbandsdirektor Peter Sapl besonders freut: „Wenn man sieht, wie leichtfertig in so manch anderen Unternehmen personalpolitische Entscheidungen getroffen werden, dann bin ich besonders stolz darauf, im Raiffeisen-Sektor arbeiten zu können. Es gibt ein sehr hohes Maß an sozialer Kompetenz. Auch bei diesem Thema stehen die Region und die Menschen, die hier leben, im Vordergrund.“ Die Initiative Lehre bei Raiffeisen zeigt ebenfalls Früchte und so werden aktuell 44 Lehrlinge ausgebildet.

„Customer Experience Award“ für Osttiroler Genossenschaft
Die Entwicklung der Genossenschaftsidee in Tirol hat viel mit Tradition, aber ebenso viel mit Innovation zu tun, wie einige sehr interessante Beispiele von Mitgliedern des Raiffeisenverbandes Tirol zeigen: Das Elektrowerk Assling ist die älteste Energiegenossenschaft im Verband (Gründung 1927) und zählt 188 Mitglieder. Es versorgt aktuell 800 Haushalte der Region mit Strom und liefert damit einen starken Beitrag auf dem Weg zur Energie-Autonomie Tirols. Andere hoffnungsvolle Beispiele für moderne und regional relevante Umsetzungsformen sind die Projekt- und Strukturentwicklungsgenossenschaften in Landeck und jene in Walchsee. Bei beiden gibt es eine Beteiligung der örtlichen Raiffeisenbank. Ziel ist es, die nachhaltige Standortentwicklung der jeweiligen Gemeinde voranzutreiben. Besondere Anerkennung über die Grenzen Tirols und Österreichs hinaus erhielt der Talmarkt Matrei in Osttirol. Diese 2014 gegründete Vermarktungsgenossenschaft erhielt den „Customer Experience Award“ der Zeitschrift „Geldinstitute“ für die innovativste Filiale. 66 Bauern aus dem hinteren Iseltal vermarkten und verkaufen ihre Produkte mitten in der Raiffeisenbank Matrei in Osttirol. Ein modernes Shop-in-Shop-Konzept, das die regionale Nahversorgung sichert und den Mitgliedern die Möglichkeit gibt, sogenannte „Null-Kilometer-Produkte“ anzubieten.

Neue Stabsstelle geplant
„Genossenschaften sind und bleiben ein Erfolgsmodell“, ist Dr. Johannes Ortner überzeugt. Als Sprecher der Raiffeisen-Bankengruppe Tirol kann er auf genügend praktische Beispiele verweisen. Die 73 Tiroler Raiffeisenbanken erwirtschafteten gemeinsam mit der RLB Tirol AG im Jahr 2015 ein EGT in Höhe von EUR 83 Mio. und waren mit einem Ausleihungsvolumen von EUR 9,7 Mrd. sowohl für Privat- als auch für Firmenkunden die erste Adresse in Sachen Finanzierung. Die Ersteinlagen beliefen sich ebenfalls auf EUR 9,7 Mrd., was das Prinzip „Aus der Region – für die Region“ untermauert. Denn aus den Spareinlagen werden letztendlich jene Kredite bedient, die der Entwicklung der Tiroler Wirtschaft und dem Erhalt und Ausbau des Lebensstandards der Tirolerinnen und Tiroler zu gute kommen. Zudem ist das Vertrauen der Kunden in Raiffeisen sehr hoch. Das zeigt die Summe der verwalteten Kundengelder in Höhe von EUR 14 Mrd. „Ein gutes Ergebnis abzuliefern ist Grundvoraussetzung. Die Digitalisierung ändert aber aktuell zweifelsohne auch unsere Branche sehr stark. Wir sind auf einem sehr guten Weg, alle Herausforderungen zu meistern“, sagt Dr. Johannes Ortner. „Was mir in diesem Zusammenhang wichtig erscheint, ist eine moderne Interpretation unserer zentralen Werte. Aus diesem Grund planen wir eine neue Stabsstelle ‚Innovative Genossenschaft‘“, so Ortner weiter. Die neue Stabsstelle soll im zweiten Halbjahr 2016 in der RLB Tirol AG installiert werden und in enger Zusammenarbeit mit dem Raiffeisenverband Tirol das Thema Genossenschaft vorantreiben. Dass das Spitzeninstitut im Sektor – die Raiffeisen-Landesbank Tirol – eine Aktiengesellschaft ist, sieht Ortner gelassen: „Wir haben zwar die Rechtsform einer Aktiengesellschaft, unsere Wertewelt ist aber zu 100 % genossenschaftlich geprägt.“

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