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Zogen Winterbilanz und präsentierten Sommerausblick: Franz Hörl, Stephan Eberharter, LH Günther Platter, Thomas Rohregger und Josef Margreiter (v.l.). (Foto: Jochum)

Tiroler Tourismus: Nächtigungsplus von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

22. April 2016 | 15:48 Autor: Tirol Werbung Startseite, Tirol

Innsbruck (A) In der bisherigen Wintersaison – im Zeitraum von November 2015 bis März 2016 – wurden im Tiroler Tourismus so viele Nächtigungen und Ankünfte erzielt wie noch nie. Rund 25,3 Millionen Nächtigungen bedeuten im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 6,3 Prozent und 5,4 Millionen Ankünfte einen Zuwachs von 6,2 Prozent. Die Aufenthaltsdauer liegt im heurigen Winter bei durchschnittlich 4,7 Tagen und ist damit konstant zum Vorjahr.

Angesichts gedämpfter Umsatzentwicklungen und gestiegener Belastungen sehen sich die Betriebe dennoch großen Herausforderungen gegenüber: Als schwierig werden insbesondere das Halten des wirtschaftlichen Niveaus und der Auslastung sowie die notwendigen Investitionen und Renovierungen gesehen.

Trotz des warmen Wetters und des ausbleibenden Niederschlags zu Beginn des Winters ist die bisherige Saison in Tirol gemessen an Ankünften und Nächtigungen entgegen vieler Erwartungen positiv verlaufen. Zu einem Gutteil verantwortlich für das starke Wachstum gegenüber dem Vorjahr ist allerdings, dass Ostern heuer in den März fiel, während es im Vorjahr im April lag. Darüber hinaus gab es im Schaltjahr 2016 mit dem 29. Februar einen zusätzlichen Tag in der Wintersaison.

Die Übernachtungen von November bis März repräsentieren etwas mehr als 90 Prozent der Wintersaison, die mit Ende April abgeschlossen wird.

Landeshauptmann zeigt sich kämpferisch
Angesichts der positiven Zahlen zollt Tirols Tourismusreferent und Landeshauptmann Günther Platter den Touristikern Respekt: „Dieses Ergebnis ist angesichts des extrem schwierigen Starts in den heurigen Winter eine außerordentliche Leistung und ein besonderer Verdienst aller Akteure im heimischen Tourismus. Insbesondere unsere Seilbahnunternehmer haben Großartiges geleistet und trotz des warmen Wetters für sehr gute Bedingungen auf den Pisten gesorgt.“ Gleichzeitig zeigt sich Platter aufgrund der wachsenden Belastungen für die Branche aber kämpferisch: Das Ankunfts- und Nächtigungsergebnis sei kein Ruhekissen, denn es spiegle die tatsächliche Wertschöpfung und Stimmung in der Branche nicht wider. „Die Belastungsgrenze ist schon länger erreicht bzw. überschritten“, so Platter. Der Tourismus habe sich in Tirol auch in Krisenzeiten als wirtschaftlicher Fels in der Brandung bewährt. Daher gelte es insbesondere in Wien wachsam zu bleiben, damit die Branche nicht weiter einseitig belastet wird. Auf Landesebene habe man mit dem Impulspaket jedenfalls wichtige direkte Unterstützungen für die Betriebe auf den Weg gebracht, um Investitionen auszulösen und Belastungen teilweise abzufedern.

Auch für Franz Hörl, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol, ist es ein Faktum, dass die Sorgen der Betriebe größer werden: „Die Erträge stagnieren und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Umsetzung der Erhöhung der Umsatzsteuer nehmen extrem zu.“ Hinzu komme die unveränderte Situation am Arbeitsmarkt und die damit verbundene Herausforderung, geeignete Arbeitskräfte zu rekrutieren.

Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung, betont die zentrale Rolle einer starken Wintersaison für das Land: „Die Unkenrufe zu den Perspektiven des Wintertourismus sind entbehrlich. Das hat die Branche in dieser Saison wieder bewiesen und sich bei schwierigen Rahmenbedingungen als Qualitäts- und Innovationsführer international behauptet.“ Dennoch beschäftigen sich die Touristiker intensiv mit der Zukunft des Winterurlaubs. „Deshalb haben wir auch dieses Schwerpunkthema bei der grenzüberschreitenden Fachtagung theALPS, die im Oktober 2016 in Innsbruck stattfindet, gewählt“, kündigt Margreiter an. Dafür werde derzeit eine groß angelegte Studie mit führenden Tourismusforschern in Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitet.

Zuwächse auf wichtigen Herkunftsmärkten, Umsätze rückläufig
Bezogen auf Ankünfte und Nächtigungen zeigt sich auf den wichtigen Märkten ein positives Bild. Insbesondere der Hauptmarkt Deutschland legte im Vergleich zum Vorjahr um rund 980.000 Nächtigungen zu, das entspricht einem Plus von 8,2 Prozent. Die Ankünfte wuchsen um 170.000, was ein Plus von 6,7 Prozent bedeutet. Steigerungen gab es zudem aus den Niederlanden mit 4,7 Prozent bei den Übernachtungen und 6,4 Prozent bei den Ankünften sowie auf dem Inlandsmarkt mit einem Plus von 1,1 Prozent bei den Übernachtungen und 3,0 Prozent bei den Ankünften. Besonders stark zugelegt haben Schweizer Gäste, deren Nächtigungen um 8,5 Prozent und deren Ankünfte um 8,9 Prozent wuchsen.

Deutliche Rückgänge aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen – allen voran einem weiterhin schwachen Rubel – gab es hingegen neuerlich aus Russland. Die Nächtigungen sind um 110.000 bzw. 25,8 Prozent zurückgegangen. Bei den Ankünften gab es ein Minus von 13.000 bzw. 21,8 Prozent.

Ebenfalls rückläufig war im heurigen Winter die Umsatzentwicklung, zeigt eine repräsentative Erhebung der Prodinger GFB Tourismusberatung in der Tiroler 4- und 5-Stern-Hotellerie: Der durchschnittliche Umsatz pro Nacht ist im Zeitraum November bis März gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent zurückgegangen. Es ist somit zu einer Stagnation der Zimmerpreise gekommen.

Positive Buchungslage für den Sommer
Im Rahmen des Saisonalen Tourismusbarometers wurden die Erwartungen der Unternehmen zur kommenden Sommersaison erhoben: Knapp acht von zehn Tiroler Unterkunftsbetrieben sind derzeit mit der Buchungslage für die kommende Sommersaison zufrieden bzw. sehr zufrieden: 58 Prozent der befragten Betriebe halten bei einem ähnlichen Buchungsstand wie im Vorjahr, ein Fünftel konnte bisher sogar mehr Buchungen generieren. Nur 16 Prozent bezeichnen die derzeitige Buchungslage als schlechter als im Vorjahr. Das Ergebnis ist damit deutlich besser als in den vergangenen Jahren, im April 2015 waren 64 Prozent der Betriebe zufrieden oder sehr zufrieden.

Hinsichtlich der Umsatzerwartungen gehen knapp 60 Prozent der Unterkunftsbetriebe davon aus, das Ergebnis vom Vorjahr halten zu können. Knapp ein Viertel erwartet, die Sommersaison 2016 mit einem Umsatzplus abzuschließen, während 14 Prozent mit Einbußen rechnen. Angesichts kontinuierlich steigender Belastungen und bürokratischer Hürden sehen dennoch viele Betriebe im Halten des wirtschaftlichen Niveaus bzw. der Auslastung und in den Investitionen sowie Renovierungen die größten Herausforderungen für die Branche.

Tiroler Bergsommer im Aufwind
Der Tiroler Bergsommer habe sich in den vergangenen zehn Saisonen positiv entwickelt, verdeutlicht Landeshauptmann Günther Platter: „Im Zehn-Jahres-Vergleich haben die Übernachtungen um 14 Prozent zugelegt. Gerade in unserer Positionierung als Sportland sehe ich einen wesentlichen Profilierungsfaktor und noch Entwicklungspotential.“ Insbesondere mit den sechs Weltmeisterschaften im Zeitraum von 2016 bis 2019 untermauere Tirol diese Position als Sportland Nummer 1 der Alpen. Mit diesen Großveranstaltungen – insbesondere den beiden Sommer-WMs Klettern und Straßenrad – wolle man eine Innovationsoffensive auslösen, die auch den Tirolerinnen und Tirolern zugutekommt. Außerdem weist LH Platter in Zeiten erhöhter Terrorgefahr auf die Frage der Sicherheit als wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl des Urlaubszieles hin: „Tirol ist ein sehr sicheres Land, das schätzen auch unsere Gäste. Dieses hohe Sicherheitsniveau für Einheimische und Touristen müssen wir mit allen Mitteln erhalten.“

Für den Sommer 2016 rechnet Franz Hörl mit einem weiteren Anstieg der Anziehungskraft der Berge. „Daher muss es das Ziel sein, die vorhandene Qualität und Attraktivität noch besser zu vermarkten und den Reiz der starken Tourismusmarke Tirol vermehrt für den Sommerurlaub zu nützen. Gleiches gilt für das Preisniveau, das wenig Spielraum für die wirklich wichtigen Maßnahmen bietet: Denn an der Steigerung der Wertschöpfung, dem Erwirtschaften von Investitionen und der Erhöhung der Angebotsqualität führt kein Weg vorbei“, so Hörl. Gleichzeitig stellten veränderte Rahmenbedingungen unter anderem durch Unternehmen wie Airbnb heimische Betriebe vor neue Herausforderungen. „Hier ist auch die Politik gefordert, da ein Wettbewerbsnachteil zu beobachten ist, der wohl in Zukunft eher größer als kleiner wird.“

Auch Josef Margreiter ist überzeugt, dass es zusätzliche spezifische Angebotsentwicklungen und verstärkte Investitionen in Top-Produkte braucht, um die positive Entwicklung im Sommer weiter zu fördern: „Gerade das Thema Rad und Bike wird nicht umsonst gern als Skifahren des Sommers bezeichnet. Es hat tatsächlich das Potential, zu einem Wertschöpfungsmotor zu werden.“ Eine Eurac-Studie habe das Potential aus den Hauptherkunftsmärkten für alpine Destinationen erhoben und mit 15,8 Millionen Rennradfahrern, 18,7 Millionen Mountainbikern und 40,4 Millionen Trekkingbikern festgemacht. Derzeit, so Margreiter, fahren 19 Prozent der Tiroler Gäste (rund eine Million) während ihres Tirol-Urlaubs Rad und zwölf Prozent (rund 640.000) Mountainbike.

Tirol und die Host-City Innsbruck werden sich mit der Straßenrad-WM aufgrund der Topographie, einzigartiger alpin-urbaner Atmosphäre und den selektiven Strecken von seiner besten Seite zeigen, ist der ehemalige Tiroler Rennradprofi und -experte Thomas Rohregger überzeugt: „Damit können wir uns nachhaltig auf der internationalen Radlandkarte verankern und uns mit der damit einhergehenden Entwicklung eines noch breiteren und professionelleren Angebots auch erfolgreich als Raddestination profilieren.“ Wünschenswert sei in diesem Zusammenhang, dass die Rad-WM genutzt wird, um ein Rad-Gesamtkonzept für das Land auf den Weg zu bringen.

Die Bedeutung von Großveranstaltungen sieht auch der ehemalige Skiweltmeister und Olympiasieger Stephan Eberharter. Derartige Events würden immer auch eine Aufbruchsstimmung im Land erzeugen mit der auch eine Verbesserung der Infrastruktur einhergehe. „Allerdings“, bestätigt Eberharter, „ist Tirol vor allem im Winter international bereits sehr gut als Sportland positioniert. Das habe ich bei meinen vielen Reisen ins Ausland immer wieder bestätigt bekommen.“

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