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Strategieentwicklung zur Zukunft der Tourismusbranche als Arbeitgeber (Foto: Greiderer)

Zukunft der Tourismusbranche als Arbeitgeber

20. März 2017 | 14:23 Autor: ofp.kommunikation Österreich, Tirol

Kufstein (A) Die Fachhochschule Kufstein Tirol veranstaltete in Zusammenarbeit mit INTERREG Österreich - Bayern ein Symposium, in dem ExpertInnen die Zukunft der Tourismusbranche als Arbeitgeber beleuchteten. Zahlreiche Gäste besuchten die informative Veranstaltung.

Der Tourismus ist heute mehr denn je ein zentraler Wirtschafts- und Wohlstandsfaktor. Alleine im Winter 2016/17 konnte Tirol 48 Millionen Nächtigungen verzeichnen. Trotz dieser positiven Zahl und einer aussichtsreichen Zukunft für die Branche suchen Hoteliers und Gastronomen händeringend nach MitarbeiterInnen. „Der Frage, warum die Tourismusbranche oftmals nicht als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird, widmet sich die Fachhochschule Kufstein Tirol schon seit einiger Zeit. In einem ersten Workshop diskutierten VertreterInnen von Unternehmen und Institutionen als auch von ArbeitnehmerInnen erste Grundgedanken zur Förderung der Attraktivität. Die Erkenntnisse bildeten das Fundament des Symposiums, welches Prof. (FH) DDr. Mario Situm und Prof. (FH) Dr. Verena Teissl als wissenschaftliche Leiter am 16. März 2017 am Campus der FH Kufstein Tirol veranstalteten.

Gegenseitiger Respekt im Team
Im ersten Impulsvortrag referierte der Gastwirt und Unternehmer Thomas Albrecht über die Beziehung zwischen ArbeitgeberIn und -nehmerIn, die er als wesentlichen Erfolgsfaktor für den Tourismus sieht. Er betreibt selbst ein 3 Sterne Superior Hotel mit insgesamt 113 Zimmern. „Das Suchen, Finden und Halten von Personal stellt sich oftmals als Herausforderung dar. Wir suchen keine billigen Arbeitskräfte, sondern die Fachkräfte von morgen! Gegenseitiger Respekt spielt im Umgang eine wichtige Rolle“, betont der Gastwirt. Die Menschlichkeit wird in seinem Betrieb groß geschrieben. „Wir vertrauen uns und wenn viel los ist, packe ich auch selbst an und helfe beispielsweise in der Küche mit. Auch private Anliegen unserer MitarbeiterInnen werden ernst genommen. In unseren Arbeitsverträgen ist eine Arbeitswoche von fünf Tagen fixiert, damit unserem Team auch ausreichend freie Zeit zur Erholung zur Verfügung steht“, so Albrecht.

Talente erkennen und fördern

Über den Status Quo der Branche sowie mögliche Entwicklungspotenziale berichtete HR Managerin Christiane Troicher von Best Alpine Wellness Hotels. Seit 2014 kümmert sie sich um die Personalentwicklung in insgesamt 18 Betrieben. „Die MitarbeiterInnen tragen wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens bei. Nur wenn sie ihre Talente einsetzen und entwickeln können, werden sie zu motivierten Erfolgsgaranten eines Betriebes“, so Troicher. Human-Resource, kurz HR, sieht sie als notwendigen Teil der Unternehmensstrategie. Damit bezeichnet man die Ressourcen, die ein Unternehmen durch seine Mitarbeiter an Wissen, Fähigkeiten und Motivation hat. Um diese Ressourcen kümmert sich in Unternehmen das HR-Management und fokussiert sich dabei auf alle Aktivitäten, die mit dem Personal im Zusammenhang stehen. Mithilfe von HR-Maßnahmen wird der Unternehmenserfolg gesteigert. In Sachen Löhne und Gehälter fordert die Expertin mehr Transparenz. „Betriebe sollen sich bewusst mit dieser Thematik auseinandersetzen und transparente Lohn- und Gehaltssysteme schaffen“, so Troicher. Auch die Sachbezüge sollen laut ihr klar definiert sein. Mit der Frage „Sprechen wir noch von Personal oder schon von Talenten?“ betont die HR-Managerin die enorme Rolle vom „Talent Management“. „Im Tourismus werden Talente teilweise weder erkannt noch gefördert. Vor allem junge MitarbeiterInnen möchten im Unternehmen mitdenken, mitgestalten und ihre eigenen Ideen einbringen. Laut einer Umfrage schätzen Angestellte eine individuelle Wertschätzung - das zählt zu den wichtigsten Faktoren für die Zufriedenheit“, so Troicher. Unternehmer müssen sich im Klaren sein, dass die Zufriedenheit ihres Teams kein Zufallsprodukt ist. Auch der negative Imagekreislauf der Branche muss laut ihr durchbrochen werden. „Oft fehlt die Zeit, sich ‚außen‘ vorzustellen, aber ohne Präsenz kann kein Unternehmer als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden“, so Troicher.

Positives Image nach außen tragen

Klaus-Dieter Graf von Moltke referierte beim Symposium über das Sozialprestige der ArbeitnehmerInnen im Tourismus. Die Reduzierung der Mitarbeiter-Fluktuation und die erfolgreiche Suche nach den richtigen Mitarbeitern sieht er als eine der wesentlichen Zielsetzungen. „Ich kenne jeden meiner 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beim Namen“, betont Moltke in seinem Vortrag. In der heutigen Zeit teilen MitarbeiterInnen laut dem Unternehmer ihre Unzufriedenheit im Netz. Das generelle Image der Branche wird durch das angeschlagene Prestige der Angestellten zusätzlich negativ belastet. Als Gründe, warum sich die Suche nach MitarbeiterInnen und Auszubildenden so schwer gestaltet, nennt er einige Faktoren, denen es entgegen zu wirken gilt. Für viele junge Menschen sind Städte interessanter als ein Leben am Land. Klaus-Dieter Graf von Moltke betont, dass die Landflucht nicht einfach hingenommen werden sollte. „Tuen wir genug, um unseren Mitarbeitern zu vermitteln, dass es am Land sehr schön sein kann“, fragt der Unternehmer das Publikum. In Sachen Arbeitszeiten braucht es laut ihm eine vernünftige 5-Tage-Woche, um die Planbarkeit und Qualität der Freizeit zu erhöhen. „Wir müssen das Image unserer Branche verbessern! Die Tourismusbrache trägt einen ganz wesentlichen Teil zur Zufriedenheit der Menschen bei. Im Grunde sind wir Glücksdealer. Mithilfe von Kampagnen und anderen Kommunikationsmaßnahmen können wir alle einen Beitrag leisten, um attraktiver am Markt wahrgenommen zu werden“, betont Moltke. Positive Erfahrungen sollten laut ihm von Hoteliers und Gastwirten sowohl online als auch offline geteilt werden. „30 Prozent der Marketingbudgets gehören zukünftig dem HR“, so Moltke.

Junge Generation hat andere Ansprüche an die Arbeitswelt
Als Keynote Speaker präsentierte Mag. Andreas Reiter, wie ArbeitnehmerInnen „Arbeit“ in Zukunft sehen und wie sich das Talentemarketing im Tourismus verändert. Der Zukunftsforscher ist er neuen Entwicklungen und Trends auf der Spur. „Wir leben in Zeiten einer großen Transformation. Zu den Treibern dieser Veränderung zählten der gesellschaftliche Wandel, die Vernetzung, Urbanisierung und viele weitere Faktoren. Alles was bisher fest war, wird flüssig“, so Reiter. Damit meint er das Aneinanderrücken und Verschwimmen von der physischen und virtuellen Realität, aber auch von Arbeit und Freizeit und den Rollen des Arbeitnehmers und -gebers. Auch die Geschäftsmodelle verändern sich. Plattformen wie Airbnb spielen eine immer größer werdende Rolle. Ebenso kommt laut dem Zukunftsforscher die Automatisierung immer stärker auf die Tourismusbranche zu. Nach einer Befragung würden Österreicher einen Roboter, der ihre Koffer auf das Zimmer trägt, als positiv empfinden. Aber in anderen Bereichen wie an der Rezeption oder im Restaurant wird auch in Zukunft der menschliche Kontakt gewünscht sein. „Was wir brauchen sind hybride Lebens- und Arbeitskonzepte für die junge Generation“, so Reiter. Die sogenannte Generation Y ist untereinander stark vernetzt, aber immer weniger an Raum und Zeit gebunden. Der Zukunftsforscher sieht auch Potenzial in der Orientierung an den jeweiligen Lebensphasen der MitarbeiterInnen. „Wer ein Haus baut, will im Job möglicherweise kürzer treten“, so Reiter. Die Werte  der sogenannten Digital Natives haben sich im Gegensatz zur älteren Generation stark gewandelt. „In der Arbeit spielt die Selbstverwirklichung eine wichtige Rolle. Die Arbeitszeiten sollten möglichst flexibel sein. Junge Leute wollen Emotionen und Erlebnisse - auch im Beruf, eine selbstgebaute Karriere, und eine individuelle Anerkennung“, beschreibt Reiter. Im Tourismus herrscht laut ihm ein Kampf um die besten Köpfe. Obwohl die Branche stetig wächst und die junge Generation dort gut aufgehoben wäre, ist der Wettbewerbsdruck hoch. „Was wir brauchen, sind robuste Ganzjahresdestinationen und eine gute Netzwerkperformance. Die positiven Stärken der Branche müssen nach außen getragen werden. Wir dürfen nicht nur eine ‚Reise‘ für die Gäste kreieren, sondern auch eine attraktive ‚Reise‘ für mögliche Mitarbeiter“, so der Zukunftsforscher. Wertschöpfung wird laut ihm durch Wertschätzung ermöglicht. Viele große Hotels bieten ihrem Team tolle Freizeitangebote wie ein Fitnessstudio. Kleinere Betriebe haben hier Schwierigkeiten. Im Ötztal hat man mit „Navion – Der Mitarbeiter Club im Ötztal“ ein völlig neuartiges Programm für attraktive Arbeitsplätze gestartet. Allen MitarbeiterInnen aus der Region steht dadurch ein Freizeit- und Weiterbildungsprogramm zur Verfügung. „Dieses Projekt zeigt vorbildlich, wie man eine gesamte Destination für die MitarbeiterInnen attraktiv gestalten kann“, so Reiter.

Am 20. April 2017 wird ein weiterer Workshop an der Fachhochschule Kufstein Tirol stattfinden. Im Rahmen dieser Veranstaltung sollen sowohl auf Grund der bereits im ersten Workshop erarbeiteten Ergebnisse als auch der Informationen des Symposiums die finalen Grundsätze zur Förderung der Attraktivität der Tourismuswirtschaft als Arbeitgeber definiert werden. Interessierte sind herzlichst eingeladen an der Weiterentwicklung der Grundsätze teilzunehmen und sich einzubringen.

  • Zahlreiche Besucher (Foto: Greiderer)
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  • Gastwirt und Unternehmer Thomas Albrecht (Foto: Greiderer)
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  • HR Managerin Christiane Troicher (Foto: Greiderer)
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  • Klaus-Dieter Graf von Moltke (Foto: Greiderer)
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  • Zukunftsforscher Mag. Andreas Reiter (Foto: Greiderer)
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