reha buddy: Das Hightech-Ganglabor für die Hosentasche

reha buddy: Das Hightech-Ganglabor für die Hosentasche

Die Zahlen sprechen für sich: 2050 sollen weltweit rund 430 Mio. Menschen an Gelenksarthrose, 80 % davon an Bewegungseinschränkungen leiden. Ein auch aus wirtschaftlicher Hinsicht guter Grund für Harald Jagoš, seine App „reha buddy“ zu entwickeln. Dieses Hightech-Ganglabor für die Hosentasche soll es Betroffenen ermöglichen, ihre Rehabilitation selbst digital zu dokumentieren und somit medizinisches Personal zu entlasten – denn die Bewegungsanalyse erfolgt ganz unkompliziert via Smartphone. In Österreich arbeitet das Startup bereits mit fünf Kliniken zusammen, nun soll mittels Crowdfundings der Sprung auf den internationalen Markt erfolgen. Ziel ist es, 200.000 Euro Kapital zu generieren.

Was kann „reha buddy“ und warum ist die Entwicklung derart am Puls der Zeit?
„Reha buddy“ bzw. unsere App unterstützt medizinisches Personal sowie Patient*innen dabei den Fortschritt der Rehabilitation digital zu erfassen und detailliert auszuwerten. Um den Fortschritt der Rehabilitation nach bzw. bei einer chronischen Erkrankung, die den Bewegungsapparat betrifft, zu bestimmen, braucht man Daten. Diese Daten werden aktuell von medizinischem Personal, großteils durch Beobachtungen erhoben.

Wir machen das jetzt digital und nutzen das Smartphone als mobilen Sensor, der am Körper getragen wird. Unsere App wertet die gemessenen Daten aus. Damit unterstützen und automatisieren wir die Dokumentation in der Klinik und im niedergelassenen Bereich. Auf lange Sicht wollen wir die Patient*innen damit auch bei der Reha zu Hause unterstützen.

Relevant ist das Ganze vor allem deshalb, weil es immer mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats gibt. Dadurch kommt es zu mehr Patient*innen in Spitälern und im niedergelassenen Bereich. Das bedeutet auch immer mehr administrative Tätigkeiten. Gleichzeitig wird immer noch viel mit Stift und Papier gearbeitet. Hochtechnische Lösungen (z.B. instrumentierte Ganganalyse) stehen nur für einen kleinen Teil der Patient*innen zur Verfügung, da diese sehr teuer und aufwendig in der Anwendung sind.

Wie kam es zur Idee der digitalen Therapieunterstützung?
Ich selbst habe viele Jahre mit der Forschung, Entwicklung und praktischen Erprobung von technischen Hilfsmitteln für ältere Menschen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen zugebracht. Die letzte Station als Forscher war an der Medizinischen Universität Wien. Dort habe ich an einer neuen Methode zur Analyse des menschlichen Gangs und zur Bestimmung des Fortschritts bei der Rehabilitation nach OPs oder Verletzungen der unteren Extremitäten gearbeitet. Die Forschung wurde immer angewandter, bis sie schließlich zur Berufung der Gründung eines Unternehmens wurde: reha buddy.

Wie verlief die Unternehmens-Entwicklung bisher?
Als Spin-off der Medizinischen Universität Wien war unsere erste Station beim High-Tech Inkubator INiTS in Wien. Währenddessen haben wir bereits für nationale Förderungen der österreichischen Förderbank aws (Austria Wirtschaftsservice) eingereicht und diese zugesagt bekommen. Das hat es uns ermöglicht mit einem kleinen Team zu starten, uns Vollzeit der Kommerzialisierung zu widmen und ein Unternehmen zu gründen.

Von der anfänglichen Idee selbst Hardware (in Form von Sensoren bzw. Sensorsohlen) zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen haben wir uns relativ bald verabschiedet. Aus mehreren Gründen: starke Konkurrenz am Markt in diesem Bereich, die mangelnde Praktikabilität im klinischen Alltag, die Machbarkeit für ein kleines Team wie unserem und Verringerung der Attraktivität für Investoren.
Also haben wir beschlossen uns auf unsere Stärken zu besinnen und uns der Software bzw. der Auswertung von Bewegungsdaten und deren Aufbereitung für die Anwernder*innen zu widmen. Um diese Idee herum haben wir dann nach und nach unser Team vergrößert, mit Verstärkungen in den Bereichen Entwicklung, Qualitätsmanagement (denn unsere Lösung ist ein Medizinprodukt!) und Marketing.

Was sind die nächsten geplanten Schritte?
Wir haben uns bisher stark auf die Anwendung unserer Lösung bzw. unserer App im klinischen Bereich konzentriert. Unsere langfristige Vision ist es jedoch, Unterstützung für Patient*innen im Heimbereich anzubieten. Auf dem Weg dorthin sehen wir, nach den Kliniken, noch den niedergelassenen Bereich und die freiberuflichen Therapeut*innen als Zwischenstation. D.h. nächstes Jahr werden wir neben dem Vertrieb der aktuellen Lösung an Kliniken auf die Entwicklung einer bzw. der Weiterentwicklung der bestehenden App für den niedergelassenen Bereich fokussieren.

Welches Potential sehen Sie in Österreich bzw. international?
Gelenksarthrose ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei älteren Erwachsenen. In Ländern mit hohem Einkommen ist sie die fünfthäufigste Ursache für den Verlust von Lebensjahren durch Behinderung in der Gesamtbevölkerung, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen die neunthäufigste. Sie macht 50 % der gesamten muskuloskelettalen Krankheitslast aus und gilt damit als die am stärksten belastende Erkrankung innerhalb der Gruppe der muskuloskelettalen Erkrankungen, zu der auch rheumatoide Arthritis und Osteoporose gehören. Bei etwa 30 % der Männer und Frauen im Alter von über 65 Jahren lässt sich eine Kniearthrose röntgenologisch nachweisen.

Weltweite Schätzungen gehen davon aus, dass 9,6 % der Männer und 18,0 % der Frauen im Alter von über 60 Jahren eine symptomatische Osteoarthritis haben, das sind 200 Mio. Menschen. Die jährliche Wachstumsrate (CAGR) für Menschen mit Gelenksarthrose beträgt 2,58 %. D.h. im Jahr 2050 wird es weltweit bereits 430 Mio. Menschen geben, die an Gelenksarthrose leiden.

Ungefähr 80 % der Menschen mit Gelenksarthrose haben Einschränkungen bei Bewegungen, und 25 % können die wichtigsten Aktivitäten des täglichen Lebens nicht ausführen.
Laut einem Bericht der WHO liegt Österreich sogar an Platz 1 in Europa beim Anteil der Personen, die wegen Muskel-, Knochen- oder Gelenkproblemen langfristig medizinisch behandelt werden.

Warum haben Sie sich für den Weg des Crowd-Funding via der Plattform www.zmartup.com entschieden, um den internationalen Markt aufzurollen?
Als junges und kleines Unternehmen, vor allem im B2B und im Medizin(technik)-Bereich hat man (u.a.) zwei große Herausforderungen: die Finanzierung und die Sichtbarkeit. Im Medizintechnik-B2B-Bereich ist man mit sehr langen Verkaufszyklen (durchschnittlich 9 bis 18 Monate) konfrontiert und man unterliegt gleichzeitig (aber völlig berechtigt) strengen Regulierungen (Stw. Medizinprodukteverordnung bzw. -gesetz). Diese beiden Umstände machen das Dasein als Medizinproduktehersteller zu einem hochriskanten Unterfangen. Denn die Produktentwicklung selbst ist nahezu 100 % aufwendiger, da Qualitätsmanagement-Standards und andere Regularien berücksichtigt und gelebt werden müssen. Und, man muss sehr lange verhandeln, in Vorleistung gehen und pilotieren, bevor man Umsatz generiert.

Dazu kommt, dass Gesundheitsthemen zwar immer mehr Bühne bekommen und sich das Thema mehr und mehr in den Köpfen verankert. Aber sie sind bei weitem nicht so ansprechend (für die breite Öffentlichkeit) wie Elektroautos, neue Social Media Plattformen oder Fleischersatzprodukte. D.h. man kämpft oft mit der Sichtbarkeit.

Aus unserer Sicht verbindet das Crowd-Funding einige attraktive Elemente. Man kann vergleichsweise schnell und unkompliziert Kapital aufstellen und die Kampagne auch als Marketinginstrument nutzen.

 

reha buddy gmbh

  Impact Hub Vienna, Lindengasse 56 / Top 18-19, 1070 Wien
  Österreich

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