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WK-Präsident Jürgen Bodenseer (Fotonachweis: WKT)

TOP-Tirol-Konjunkturbarometer: Wirtschaft stabil auf mittlerem Niveau

07. Jänner 2014 | 09:58 Autor: WKT Tirol

Innsbruck (A) „Die Stimmung unter Tirols Unternehmern war selten so schlecht wie im Moment. Und das wird sich so schnell nicht ändern. Wir bewegen uns auf mittlerem Niveau ohne große Aussicht auf Besserung“, findet WK-Präsident Jürgen Bodenseer für die wirtschaftliche Situation Tirols zum Jahreswechsel klare Worte.

Ursache dafür sieht er in Reformstau und Bürokratisierung auf bundespolitischer Ebene. „Es braucht endlich Investitionsanreize, echte Reformen und Perspektiven, auf die sich die Unternehmer auch verlassen können. Ansonsten sind der Wirtschaftsstandort Österreich, Arbeitsplätze und unsere Rolle als Exportland ernsthaft in Gefahr.“

Für das abgelaufene Jahr muss quasi von einem Null-Wachstum (0,0 bis 0,5 Prozent) der Bruttowertschöpfung ausgegangen werden. Für 2014 geht das TOP-Tirol Konjunkturbarometer von einem realen Wachstum zwischen 1,4 und 1,8 Prozent aus. „Wir haben schon für das zweite Halbjahr 2013 mit einer Besserung gerechnet, die Erwartungen wurden aber nicht erfüllt. Doch heuer sollte sich die Lage auf den Exportmärkten stabilisieren“, erklärt WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker. Es wird von einem nominellen Exportvolumen 2014 von 11,8 Milliarden Euro ausgegangen – das entspricht einem Plus von 4 bis 5 Prozent. Im Großen und Ganzen zeigt das Konjunkturbarometer wenig Veränderung. Die Geschäftslage hat sich leicht verbessert. Im Sommer 2013 bewerteten 30 Prozent der Top-Betriebe die aktuelle Lage als gut, aktuell tun dies 36 Prozent. Erfreulich ist, dass 55 Prozent der Leitbetriebe im Tourismus mit ihrer momentanen Buchungslage zufrieden sind und 53 Prozent von der Möglichkeit ausgehen, ihre Verkaufspreise steigern zu können (im Vorjahr waren es 43 Prozent).

„Österreich ist in den letzten Jahren in die Mittelmäßigkeit abgerutscht. Früher konnten wir sagen, wir Österreicher sind die besseren Deutschen, jetzt ist es so, dass die Schweizer die besseren Österreicher sind“, so Präsident Bodenseer. Die Grenzen des stetigen Wachstums seien erreicht. Die Politik müsse dazu übergehen, ihren Apparat und die soziale Hängematte zu verkleinern. „Wir leben in einer Zeit, in der wir umdenken und die Dinge anders bewerten müssen. Es braucht mehr Eigenverantwortung“, betont Bodenseer. „Von der Bundesregierung wünsche ich mir mehr Mut für echte Veränderungen. Denn die Unternehmer müssen wissen: Wo geht es lang und womit muss und kann ich rechnen.“

Das TOP-Tirol Konjunkturbarometer 2014: Prognosen, Zahlen und Fakten

Reales Wachstum der Bruttowertschöpfung 2014: +1,4% bis +1,8% (nach 0,0% bis 0,5% 2013). Da die Konjunkturbelebung vor allem über die  Exportmärkte im Jahr 2014 zu erwarten ist, wird Tirol von dieser Entwicklung etwas unterdurchschnittlich profitieren können (z.B. im Vergleich zu Oberösterreich, Steiermark und Vorarlberg). Das Wachstum der Bruttowertschöpfung dürfte in Tirol daher im besten Falle etwa dem Österreich-Durchschnitt entsprechen oder darunter liegen.

Arbeitslosenquote 2014 (AMS-Quote): 6,5% bis 6,7% (rund 23.000 Arbeitslose in Tirol im Jahresschnitt) 2013: rund 6,4%. Der Anstieg der Arbeitslosenquote dürfte in Tirol moderater verlaufen insbesondere, da die Öffnung des Arbeitsmarktes in Rumänien und Bulgarien Tirol weniger betrifft und andererseits, da die Beschäftigungsintensität insbesondere im Dienstleistungsbereich und die entsprechende Nachfrage nach Fachkräften hoch bleiben wird.

Exportvolumen 2014 nominell: € 11,8 Milliarden (nominell +4 % bis +5%). Tirol wird durch den Exportaufschwung aufgrund einer geringeren Verknüpfung mit den Märkten Deutschlands und Osteuropas weniger stark profitieren als Bundesländer wie Oberösterreich, Niederösterreich und Vorarlberg.

Geschäftslage aktuell

Die Stimmung in der Tiroler Wirtschaft hat sich leicht verbessert. Im Sommer 2013 bewerteten 30 Prozent der Top-Betriebe die aktuelle Geschäftslage als gut, aktuell tun dies 36 Prozent. Besonders die Verkehrswirtschaft und das Gewerbe sind sehr zufrieden. Etwas „eingetrübt“ hat sich die Stimmung in der Sparte Information und Consulting. Noch im Sommer berichteten 60 Prozent der Unternehmen aus diesem Bereich von einer guten Geschäftslage, aktuell sind es 39.

Erwartete Geschäftslage bis Frühjahr 2014
Für die kommenden Monate sind die Erwartungen der Tiroler Leitbetriebe nahezu unverändert: 32 Prozent sind optimistisch und erwarten eine gute Entwicklung der Geschäftslage, 15 Prozent rechnen mit einer schlechteren. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen Produzenten und Dienstleistern. Gerade in der Bauwirtschaft ist ein eindeutiger Saisoneffekt erkennbar: Noch im Sommer rechneten 22 Prozent der Betriebe dieser Branche mit einer guten Geschäftslage, aktuell zeigt sich keines der befragten Unternehmen optimistisch. Bei den Dienstleistern sind vor allem der Handel und die Verkehrswirtschaft positiv gestimmt.

Auftragslage aktuell
Bei der Einschätzung der Ertragslage gibt es wenig Veränderung. 23 Prozent der Leitbetriebe berichten von einer guten Ertragssituation, immerhin 62 Prozent sind zufrieden und 16 verzeichnen eine schlechte Ertragslage. Besonders positiv  ist die aktuelle Ertragssituation in der Verkehrswirtschaft, der Sparte Information und Consulting sowie im Handel: Knapp die Hälfte aller Befragten sprechen hier von einer guten Lage. Indes hat sich die Stimmung in der Bauwirtschaft im Vergleich zum Sommer verschlechtert. Damals berichteten 32 Prozent der Betriebe von einer schlechten Ertragssituation, aktuell sind es 45. Allerdings meldete im Sommer auch kein Unternehmen eine gute Situation, aktuell tun dies zumindest 10 Prozent der Betriebe.

Auftragserwartung bis zum Frühjahr 2014

Deutlich zurückhaltender bewerten die befragten Unternehmen die Auftragsentwicklung für die kommenden drei Monate: 17 Prozent sehen eine Verbesserung, 18 Prozent hingegen rechnen mit Rückgängen. Allerdings fiel die Einschätzung vor einem Jahr noch wesentlich schlechter aus: So erwarteten 21 Prozent der Leitbetriebe zum Jahreswechsel 2012/13 eine Verschlechterung ihrer Auftragssituation und nur 12 Prozent eine Steigerung. Positiv hervorzuheben sind die Erwartungen in der Sparte Industrie (31 Prozent sehen hier eine Verbesserung), im Handel (45 Prozent) und bei den Betrieben der Sparte Transport und Verkehr (48 Prozent). Auffallend ist allerdings, dass 24 Prozent der Unternehmen in der Sparte Information und Consulting davon ausgehen, dass die momentan günstige Auftragslage nicht anhält.

Mitarbeiterentwicklung bis zum Frühjahr 2014
Die geringen Wachstumserwartungen der Unternehmen schlagen sich auch bei der Personalentwicklung nieder. Im Sommer 2013 erwarteten noch 17 Prozent der Befragten einen wachsenden Mitarbeiterstand. Für das erste Quartal 2014 sehen sich 25 Prozent der Unternehmen gezwungen, diesen zu reduzieren. Nur 17 Prozent werden mehr Mitarbeiter aufnehmen können. Am optimistischsten sind die Unternehmen der Sparte Transport und Verkehr (47 Prozent), gefolgt von Handel (39 Prozent) und Industrie (35 Prozent). Tendenziell positiv ist die Entwicklung im Dienstleistungssektor, während im Produktionssektor insbesondere in der Bauwirtschaft – auch stark saisonbedingt -  30 Prozent der Unternehmen mit Mitarbeiterabbau rechnen.

Exporte
Noch im Sommer rechneten nur 10 Prozent der  Unternehmen mit wachsenden Exporten, nun sind es 32 Prozent der Betriebe aus den Bereichen Gewerbe und Industrie. Verhalten bleibt allerdings die Exporterwartung im Dienstleistungssektor: Hier rechnet nur jedes siebte Unternehmen mit Zuwächsen im ersten Quartal 2014.

Erwartung Beschaffungskosten
Hier zeigt sich ein differenziertes Bild: In der Sparte Industrie rechnen nur 23 Prozent der befragten Unternehmen mit steigenden Beschaffungskosten in den kommenden Monaten, 60 Prozent mit gleichbleibenden Beschaffungskosten und 16 Prozent sogar mit einer Reduktion. In allen anderen Branchen wird hingegen überwiegend mit steigenden Kosten gerechnet. Die Industrie profitiert derzeit vom nachlassenden Preisdruck auf die Energie- und Rohstoffpreise.

Investitionen
Die Investitionsneigung der Tiroler Unternehmen bleibt verhalten: 25 Prozent der befragten Leitbetriebe werden in den kommenden Monaten ihr Investitionsvolumen gegenüber dem letzten Halbjahr ausdehnen, 24 Prozent reduzieren und 49 in etwa konstant halten. Am stärksten ist die Bereitschaft zu Investitionen bei den Unternehmen der Sparten Handel (49 Prozent) und Transport und Verkehr (50 Prozent).

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