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„Es braucht endlich echte Konjunktur-Impulse für das Tiroler Gewerbe und Handwerk“ sind sich KMU-Chef Walter Bornett, Spartenobmann Georg Steixner und Spartengeschäftsführer Ludwig Kössler (v.l.) einig.

Durchwachsenes Jahr 2015 für Tiroler Gewerbe und Handwerk

04. April 2016 | 12:32 Autor: Wirtschaftskammer Tirol Österreich, Tirol

Innsbruck (A) Die Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben ein durchwachsenes Jahr 2015 hinter sich. Die Umsätze entwickelten sich mit einem Prozent Wachstum weit unterhalb des BIPs. Die aktuelle Lage trübt die Stimmung, für das kommende Quartal dominiert zaghafter Optimismus. Georg Steixner warnt: „Zahlreiche Herausforderungen, wie Preiskonkurrenz sowie der Lehrlings- und Fachkräftemangel, bereiten jedoch vielen Betrieben ernsthafte Probleme.“

Die wirtschaftliche Lage bleibt weiterhin angespannt, berichtet Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria: „Es war ein schwacher Jahresbeginn, eher trist, mit etwas grün. Dieses Grün muss zum Blühen gebracht werden. Die Betriebe zeigen sich optimistisch, gleichzeitig lasten fehlende Reformen schwer auf ihren Schultern.“

Für Spartenobmann Georg Steixner ist die aktuelle Geschäftslage vor allem ein Ergebnis des Reformstaus auf politischer Ebene. „Es gibt überall Baustellen, egal wohin man blickt. Die Betriebe brauchen einen Stimmungsmacher, wie etwa den Handwerkerbonus, der den vielen kleinen und mittleren Betrieben unserer Branche wichtige Aufträge bringen würde,“ appelliert Steixner an die Politik. „Dass der Staat hier nicht aktiv wird, ist unverständlich und kurzsichtig. Der Handwerkerbonus wäre eine gute Saat, die Ernte würde dann in einigen Jahren eingefahren werden.“

Vor der geplanten Mega-Maut für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf allen Landes- und Gemeindestraßen warnen sowohl Steixner als auch Bornett. „Die Maut würde unsere Regionen und damit auch die Betriebe besonders hart treffen und ist eine reine Geldbeschaffungsaktion vom Staat,“ so Steixner. KMU-Chef Walter Bornett beziffert die Zusatzbelastung für Tiroler Betriebe mit  60 bis 70 Millionen Euro. „Man würde damit vieles, was man mit der Regionalförderung erreichen wollte, wieder kaputt machen. Wem also soll diese Maut helfen?“

Walter Bornett betont zwar, dass der Optimismus für die kommenden Monate unter den Betrieben zugenommen hat, von einem Aufschwung könne aber keine Rede sein. „Die Betriebe hoffen einfach, das 2016 zumindest besser wird, also die Jahre davor.“ Doch dafür müssten auch die geeigneten Maßnahmen getroffen werden. Denn das Investitionsvolumen ging 2015 bereist zurück. 65 Prozent der Betriebe haben vergangenes Jahr investiert, dieses Jahr haben dies nur 48 Prozent vor.

Die sinkende Investitionsquote wird zum ernsthaften Problem für Betriebsübergaben, ist sich Steixner sicher. „Die Hindernisse liegen oft in der Modernisierung des Betriebs. Die unzähligen Auflagen sind aber für viele nicht erfüllbar. Da denken sich viele Junge, warum soll ich mir das überhaupt noch antun?“ Einig sind sich deshalb Bornett und Steixner, dass die Einführung eines Investitionsfreibetrages ein absolut richtiger Schritt wäre, um die Investitionen wieder anzukurbeln.

Zahlen, Daten, Fakten

Bilanz Geschäftsjahr 2015
37 Prozent der Betriebe des Tiroler Gewerbe und Handwerks meldeten vergangenes Jahr steigende Umsätze gegenüber 2014, jeder fünfte Betrieb verzeichnete einen Umsatzrückgang. Insgesamt erzielten die Betriebe 2015 damit eine nominelle Umsatzsteigerung von einem Prozent – zum Vergleich: Das gesamtösterreichische BIP stieg letztes Jahr um 2,4 Prozent.

Ebenso gelang es den Betrieben, die Verkaufspreise 2015 um durchschnittlich 1,2 Prozent zu erhöhen. Dadurch ergibt sich jedoch eine preisbereinigte Umsatzentwicklung von -0,2 Prozent.

Investitionen
62 Prozent der Betriebe tätigten 2015 Investitionen, die Investitionssumme pro Beschäftigtem ist dabei von 6.100 Euro im Jahr 2014 auf 5.900 Euro im vergangenen Jahr leicht gesunken.

Im laufenden Geschäftsjahr wollen 48 Prozent der Betriebe investieren.

Problembereiche 2016
65 Prozent der Betriebe sind durch Preiskonkurrenz in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt.
Über einen Mangel an Fachkräften klagen 37 Prozent, 14 Prozent haben Probleme, Lehrlinge zu finden.

Geschäftslage im ersten Quartal 2016
Aktuell beurteilen 85 Prozent der Betriebe die aktuelle Geschäftslage als „saisonüblich“ oder „gut“ (Vorjahr: 78 Prozent). Per Saldo (Betriebe mit guter abzüglich schlechter Beurteilung) überwiegen die Betriebe mit guter Geschäftslage um 7 Prozentpunkte.

Im Vergleich zum Vorquartal stellt dies jedoch einen Rückgang um vier Prozent dar. Insgesamt hat sich damit das Stimmungsbarometer verschlechtert.

a)       In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 2,4 Prozent gesunken.

b)       Im konsumnahen Bereich hat sich die Situation der Betriebe im Vergleich zum ersten Quartal 2015 ebenfalls verschlechtert. Der Anteil der Betriebe mit Umsatzrückgang ist von 15 Prozent auf aktuell 22 Prozent gestiegen. Nur sieben Prozent verzeichnen Umsatzsteigerungen.

Erwartungen für das zweite Quartal 2016
Rund drei Viertel der Betriebe erwarten keine Veränderung gegenüber dem zweiten Quartal 2015. Achtzehn Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen bzw. Aufträgen, 9 Prozent rechnen mit Rückgängen.

Unterm Strich überwiegen die optimistischen Einschätzungen um 9 Prozent. Der Optimismus unter den Betrieben hat im Vergleich zum Vorjahr, wie auch im Vergleich zum Vorquartal, zugenommen.

Erhöhung des Personalstands zu erwarten
Für den Zeitraum April bis Juni 2016 beabsichtigt knapp ein Drittel der Betriebe, den Personalstand deutlich zu erhöhen, zwei Drittel wollen ihn konstant halten. Fünf Prozent planen, die Zahl der Mitarbeiter zu verringern.

Daraus ergibt sich eine geplante Erhöhung des Beschäftigtenstandes um 27,6 Prozent. Der Personalbedarf liegt damit deutlich über jenem des Vergleichsquartals des Vorjahres (19,8 Prozent).

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