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MMag. Klaus Schaller

Firmeninsolvenzen steigen in Tirol im Vergleich zum Vorjahr um 17,5 Prozent

22. September 2016 | 14:35 Autor: KSV1870 Tirol

Innsbruck (A) In Tirol beobachtet der KSV1870 seit Jahresbeginn eine signifikante Steigerung bei den Unternehmensinsolvenzen. Der in Prozentzahlen sehr stark anmutende Anstieg wird bei einem Blick auf den Vergleichszeitraum des Vorjahres relativiert. 2015 verzeichnete Tirol ein äußerst niedriges Insolvenzniveau. Diese Talsohle wurde heuer durchschritten. Eine Entspannung gibt es bei den Privatinsolvenzen in Tirol. Gründe für den Rückgang um 9,1 Prozent sind die seit Jahren verhaltene Praxis der Banken bei der Kreditvergabe und die niedrigen Zinsen.

Firmeninsolvenzen: Moderater Anstieg der Insolvenzen in Österreich. Tirol verzeichnet Nachholeffekt
In Österreich wurde mit insgesamt 3.927 Pleiten eine Zunahme von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr festgestellt. Diesem moderaten Anstieg bei der Anzahl der in die Pleite geschlitterten Unternehmen steht eine starke Zunahme der verzeichneten Passiva gegenüber. Die Zunahme der aushaftenden Verbindlichkeiten um 59,1 Prozent auf € 2,4 Mrd. ist insbesondere auf einige Großinsolvenzen in Wien, Kärnten und in der Steiermark zurückzuführen. Entgegen der Entwicklung in Gesamtösterreich stellt sich die Situation in Tirol gänzlich anders dar. Es gibt im Vergleich zum Vorjahr mit 235 betroffenen Unternehmen zwar einen markanten Anstieg, die registrierten Verbindlichkeiten – und damit verbunden die Schäden für Gläubiger - gehen hingegen um 24,6 Prozent auf € 55 Mio. deutlich zurück.

Analyse der Tiroler Entwicklung:
Das Vorjahr brachte bei den Insolvenzzahlen in Tirol ein historisch niedriges Insolvenzniveau. Die für 2016 registrierten Steigerungen stellen damit nur eine gewisse Normalisierung der Situation dar. Das Ausscheiden von ins Schlingern geratenen Unternehmen aus dem Markt gehört zu einem funktionierenden Wirtschaftssystem dazu. Unternehmen werden gegründet, Betriebe müssen den Markt verlassen.

Klaus Schaller, Leiter der KSV1870-Niederlassung in Tirol, berichtet: „2016 sind bisher Großinsolvenzen in Tirol ausgeblieben. Dadurch sind die verzeichneten Schäden bei den Gläubigern erfreulich stark zurückgegangen. Die Anzahl der in Tirol betroffenen Mitarbeiter ist mit 649 um 10,4 Prozent gestiegen und liegt sie trotz dieser Zunahme weit unter den Zahlen der Jahre 2012 bis 2014. Der Anstieg bei den Dienstnehmern fiel damit moderater aus, als jener bei der Zahl der betroffenen Betriebe. Daraus ist abzuleiten, dass in Tirol der Trend weiter anhält, dass hauptsächlich Klein- und Kleinstunternehmen von Insolvenzen betroffen sind.“

Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg ist die Lage in Tirol stabil. Natürlich bewegt sich auch die Tiroler Wirtschaft in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld. Das europäische Wirtschafts-wachstum ist seit Jahren überschaubar und sieht eine rasante positive Wirtschaftsentwicklung wahrlich anders aus. Dieser fehlende dynamische Fortschritt trifft Klein- und Kleinstunter-nehmen doppelt hart.

Einmal sind diese Klein- und Kleinstbetriebe häufig nicht mit dem notwendigen Eigenkapital ausgestattet. Zusätzlich haben diese Betriebe aufgrund der fehlenden Sicherheiten kaum Zugang zum Kapitalmarkt. Ist die - ohnehin geringe – Substanz einmal aufgebraucht, fallen diese Unternehmen – bildlich gesprochen – beim ersten Gegenwind zu Boden.

Privatinsolvenzen: Deutlicher Rückgang bei den Privatinsolvenzen
Über ganz Österreich gesehen ist die Zahl der Privatinsolvenzen um 6,2 Prozent gesunken. In Tirol wurden bisher im Jahr 2016 459 Schuldenregulierungsverfahren registriert. Dies entspricht einem Rückgang um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die verzeichneten Passiva haben sich im Privatinsolvenzsektor in Tirol um rd. € 10 Mio. erhört. Diese Steigerung basiert allein auf einem einzigen Verfahren eines ehemaligen Unternehmers aus dem Raum Kitzbühel.

Klaus Schaller, Leiter der KSV1870-Niederlassung in Tirol, analysiert: „Die Banken sind bei der Kreditvergabe an Privatpersonen in den letzten Jahren vorsichtiger geworden. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, da bei Menschen mit ohnehin schwacher Bonität bei überhöhten monatlichen Rückzahlungsraten der wirtschaftliche Kollaps vorprogrammiert ist. Zusätzlich entspannt das seit Jahren niedrige Zinsniveau die wirtschaftliche Lage von Privatpersonen. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern profitieren die Menschen in Tirol auch von der stabilen Lage am Arbeitsmarkt.“

Ausblick für das Gesamtjahr 2016
Im Kommerzbereich erwartet der KSV1870 eine konstante Entwicklung bis Jahresende. Eine im Vergleich zum Vorjahr beträchtliche Zunahme der Pleiten (im zweistelligen Prozentbereich) über den gesamten Jahresverlauf 2016 ist prognostizierbar. Wesentliche negative Schlüsse für die Entwicklung der wirtschaftlichen Gesamtsituation in Tirol lassen sich daraus aber nicht ziehen.

Der KSV1870 rechnet damit, dass die Privatinsolvenzzahlen am Ende des Jahres 2016 etwas unter dem Vorjahresniveau liegen werden.  

    KSV1870, Kreditschutzverband von 1870

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