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Walter Bornett, Direktor der KMU-Forschung Austria, Georg Steixner, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, und Ludwig Kössler, Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk. (© WKT)

Gewerbe und Handwerk im Tirol: kleines Plus im ersten Halbjahr

12. Oktober 2016 | 14:31 Autor: WKO Tirol Österreich, Tirol

Innsbruck (A)  Im 1. Halbjahr 2016 liefen die Geschäfte im Tiroler Gewerbe und Handwerk relativ zufriedenstellend. Die Stimmung in der Branche hat sich trotz eines turbulenten Umfelds leicht verbessert. Zurückhaltende Konjunkturprognosen sorgen für Unsicherheit und dämpfen jedoch die Erwartungshaltung für die weiteren Monate. 

„Das 1. Halbjahr 2016 hat zumindest ein kleines Plus gebracht, das 3. Quartal ist besser verlaufen als im Vorjahr, für das 4. Quartal sind Unternehmer optimistischer“, fasst Walter Bornett, Direktor der KMU-Forschung Austria, die vergangenen Monate zusammen. Damit hat sich das Tiroler Gewerbe und Handwerk deutlich besser entwickelt als in den meisten anderen Bundesländern. Österreichweit musste die Branche einen Rückgang von – 1,3 Prozent hinnehmen. Jedoch weist das nominelle Wachstum (preisbereinigt) sogar ein leichtes Minus aus. „Wir als Forscher teilen daher den allgemeinen Optimismus nicht ganz, denn die gesamtwirtschaftlichen Prognosen gehen wieder leicht zurück. Es wäre schon positiv, wenn das 4. Quartal keine Tendenz nach unten zeigt, sodass am Jahresende ein kleines reales Wachstum von 1- 2 Prozent herausschaut.“ 

Hoffnung gibt das zu Ende gegangen 3. Quartal: „Hier ist Tirol Nr. 1 bei der Beurteilung der Geschäftslage, fast ein Drittel der Betriebe beurteilen diese als „gut“. Nach der Talfahrt der letzten zwei Quartale zeigt das Barometer in allen Sektoren des Gewerbe und Handwerks wieder nach oben“, sagt Bornett. So melden vor allem Bau und Baunebengewerbe über gestiegene Auftragsbestände, der Anteil von Betrieben mit Auslastungsproblemen ist von 40 auf 36 Prozent gesunken. „Die positive Entwicklung setzt auf sehr schlechtem Niveau an. In konjunkturell guten Zeiten sollten alle Betriebe ausgelastet sein,“ so Bornett.  

Für das restliche Geschäftsjahr gibt sich die Branche recht optimistisch. Die Betriebe wollen im Durchschnitt um rund 2,3 Prozent mehr Personal einstellen. Bei rund 60.000 Beschäftigten könnten so rund 1400 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch sind die Betriebe wieder bereit, vermehrt Lehrlinge einzustellen, wenn sich die geschäftlichen Aussichten bessern, wie Sparten-Geschäftsführer Ludwig Kössler berichtet: „Letztes Jahr hatten wir bei den Lehrlingszahlen ein Plus von 0,5 Prozent, heuer sind es mit Stichtag 30.09. 2,5 Prozent. Vorläufig sind wir mit diesem Trend zufrieden. Gleichzeitig sollte man nicht übersehen, dass nach wie vor 30 Prozent der Betriebe keine entsprechenden Fachkräfte finden.“  

„Dass die Lehrlingszahlen steigen, bedeutet zumindest, dass der Berufsnachwuchs gesichert ist“, erklärt Gewerbeobmann Georg Steixner. Nun liege es an Seiten der Politik, diese leichte Aufbruchsstimmung durch entsprechende Maßnahmen abzusichern. Die Verlängerung des Handwerkerbonus auch im Jahr 2017 ist dem Obmann daher ein wichtiges Anliegen. „Es sind noch knapp 9 bis 10 Mio. im Topf, die Entwicklung ist sehr gut. Unsere Betriebe profitieren von dieser Maßnahme, sie bekommen mehr Aufträge, können deshalb mehr Personal und auch so manchen Lehrling mehr einstellen“, so Steixner. Dass der Handwerkerbonus jedoch nur weiterbestehen bleibt, wenn die österreichweite Wirtschaftswachstum im Jahr 2016 1,5 Prozent nicht überschreitet, ist für den Obmann unverständlich: „Das ist nicht gerecht. Denn es geht hier um die Gewerbe und Handwerksbetriebe, also müsste man auch von der Konjunktur nur in dieser Branche ausgehen.“

Ebenso fordert Steixner von der Politik ein Umdenken im Betriebsanlagenrecht und beim Thema flexible Arbeitszeiten. Das Betriebsanlagenrecht würde Investitionen hemmen und zudem Betriebsübergaben immer schwieriger gestalten: „Wird nicht investiert, ist Beschäftigung wiederum nicht garantiert. Für die vielen kleinen Tiroler Unternehmen wird das zum echten Problem. Ebenso bei den Arbeitszeiten. Gerade z.B. im Tourismus sind die Zeitspannen für Bautätigkeiten extrem knapp. Da würden wir flexible Spielräume dringend brauchen.“

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